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Der Weg der Anschauung

Walter Hoeres
Graue Edition
Art.Nr.: 01-08-02
Der Weg der Anschauung

Der Philosoph Walter Hoeres zeigt in seinem sehr verständlichen, aber auch ebenso anspruchsvollen Werk, daß die Anschauung als fundamentales Prinzip der Welterkenntnis gelten kann. Weil der Mensch seiner Natur nach ein metaphysischen Wesens ist er fähig zur Erfassung des Geheimnisses des Seins. Hoeres legt hier eine philosophische Erkenntnislehre und eine Einführung in die Prinzipien der Metaphysik in einem vor, die ein wahres Heilmittel für philosophische, aber auch viele theologische Irrtümer sein könnte.

Buchbesprechung von Till Kinzel aus der Tagespost:

Der Mensch der Gegenwart erlebt immer wieder, dass Philosophien an ihn herangetragen werden, welche die von ihm anschaulich erfahrene Wirklichkeit zweifelhaften Deutungen unterwerfen. Durch diese Deutungen wird er den unmittelbaren Evidenzen entfremdet, und oftmals schieben sich regelrecht falsche Theorien zwischen den Einzelnen und die Wirklichkeit. Eine realistische Philosophie hat deshalb die Aufgabe, das natürliche Realitätsbewusstsein wieder in sein Recht einzusetzen.

Der Philosoph Walter Hoeres, der hierbei frühe Anregungen seines Doktorvaters Adorno aufgreift, unternimmt in seiner neuesten Studie in diesem Sinne den höchst wertvollen Versuch, in das Dickicht der Gegenwartsdeutungen eine Schneise zu schlagen, indem er die Anschauung als fundamentales Prinzip der Welterkenntnis phänomenologisch beschreibt, erschließt und begründet oder in seiner Evidenz deutlich macht. Hoeres geht es dabei um nichts geringeres als eine Apologie des Menschen als eines seiner Natur nach metaphysischen Wesens. Es geht darum, den Menschen als dasjenige Wesen zu verstehen, das mittels der Anschauung fähig zur Erfassung des Geheimnisses des Seins ist. Dass Hoeres damit im Widerspruch zu einer theoretisch scheinbar raffinierter wirkenden Strömung in der Philosophie steht, ist ihm selbst klar, wenn er den heute wohlfeilen Vorwurf der Naivität vorwegnimmt und zu Recht betont, Philosophie müsse große menschliche Grunderfahrungen zur Sprache bringen. Dabei dürfe sie sich jedoch zugleich nicht der Anstrengung des Begriffs entschlagen.

Die radikale phänomenologische Zentralthese von Hoeres besagt, alle Erkenntnis sei Anschauung, eine Auffassung, die zunächst erkenntnistheoretisch problematisch erscheint, weil Erkenntnis hier scheinbar als identisch mit Wahrnehmung verstanden wird und nicht als begrifflich-intellektuelle Leistung. Doch nimmt Hoeres offensichtlich eine gewisse Form der Intelligibilität in den von ihm als Wahrnehmung bezeichneten Erkenntnisakt hinein, in dem er mit Recht auch ein gleichsam intuitives Moment sieht. Zugleich verabschiedet er sich von der kantisch geprägten transzendentalphilosophischen Reflexion, die sich einseitig auf die subjektiven Erkenntnisbedingungen des Menschen richtet. Demgegenüber betont Hoeres deutlich, dass sich die Erkenntnis ihrer Intention nach auf das Erfassen des Ansich- und Insichseins der Dinge richte, womit er im Sinne des Realismus Erkenntnis als Entdeckung und Hinnahme einer Sache in der Wirklichkeit bestimmt.

Hoeres’ Konzeption lehnt sich in einigen Punkten stark an Heidegger an, der indes weiter radikalisiert, zugleich aber auch kritisiert wird, weil dieser seine vom Ansatz her phänomenologische Konzeption nicht stringent durchgehalten habe. Heidegger habe nämlich unnötigerweise transzenden-talphilosophische Gesichtspunkte beibehalten. Hoeres würdigt Heidegger so zwar als einen Denker, der wie kein zweiter die Offenheit des Daseins für die „Sache selbst“ betont habe.

Hoeres geht aber über Heidegger hinaus, wenn er ausdrücklich darauf zielt, die kontemplative Bestimmung des Menschen herauszustellen, denn bei Heidegger zeige sich geradezu ein Affekt gegen die Kontemplation, der bei diesem zu einer Umdeutung der Tradition Platons und Augustinus’ führe. Die kontemplative Bestimmung des Menschen aber zeige sich nicht erst in der Anschauung etwa platonischer Ideen oder der Kunst, sondern bereits in der Anschauung der Natur sowie, genauer, der Landschaft.

Die Landschaft als ein nur schwer be-grifflich eingrenzbares Phänomen aber erweist sich in Hoeres’ Deutung als der Ort der Stimmungen, und zwar von Stimmungen als objektiven Bestandteilen der Welt, nicht als bloß subjektiv-psychologischen Phänomenen, die erst auf die Dinge projiziert werden, ihnen also nicht selbst zukämen.

Eine Stimmung der Heiterkeit angesichts einer bestimmten Landschaft ist deshalb nicht bloß psychologisch zu deuten, sondern als Bejahung des eigenen Seins und der Wirklichkeit überhaupt, und zwar aus elementarer Zufriedenheit damit. Die Frage nach dem Sinn von Sein werde dann gleichsam von selbst beantwortet.

Hoeres möchte zeigen, dass es zu den Grundmöglichkeiten des Menschen gehört, die Landschaft als Ort der Stimmungen wahrzunehmen. Das Wahrnehmen von landschaftlichen Stimmungen sei nun, so äußern verschiedene Theorien (wie etwa die bekannte von Joachim Ritter), ein neuzeitliches Phänomen, also geschichtlich bedingt, auch sei die Landschaft kaum noch unverbrauchte Natur, sondern vom Menschen gestaltet und eben auch vielfach verschandelt. Jedoch schimmere, so wendet Hoeres ein, durch allen Wechsel immer auch noch eine ursprüngliche Natur hindurch. In den Stimmungen, die uns das Geheimnis der Wirklichkeit innewerden und also anschaulich werden lassen, werde, so Hoeres’ sehr bedenkenswerte These, „die Entzauberung der Welt in radikaler Weise zurückgenommen“.

Leider geht Hoeres im Zusammenhang mit seiner Analyse der Stimmungen in Bezug auf die Landschaft nur sehr kurz auf das bedeutsame seelisch-kulturelle Phänomen der Heimat ein. In der heimatlichen Verbundenheit und Verortung des Menschen dürfte ein anthropologisch wichtiger Aspekt von landschaftlich geprägten Stimmungen gegeben sein, der die Affirmation des Seins in einer spezifisch erfahrenen Konkretion – eben der Heimat – in sich schließt. Hoeres spricht davon, dass sich die Landschaft und die Generationen der Vorfahren in der Geschichte der Heimat vereinigen und „zum Bilde der geheimnisvollen Ewigkeit verdichten“.

Obwohl sich vielfach eine Metaphysikvergessenheit des modernen Menschen beobachten lässt, zeigt Hoeres’ Studie doch überzeugend, dass die von ihm auf philosophisch gehaltvolle Weise ins Spiel gebrachte Betrachtung der geschaffenen anschaulichen Welt um uns herum genug Möglichkeiten und Anlässe bietet, metaphysische Fragen aufzuwerfen. Denn in der Anschauung der Welt nehmen wir immer auch ihren faktisch unaufhebbaren Geheimnischarakter wahr.
332 S., 23,5 x 14,5 cm,
Leinengeb.


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