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Die Naturphilosophie des Thomas von Aquin

Leo J. Elders
Gustav-Siewert-Akademie
Art.Nr.: 02-03-09
Die Naturphilosophie des Thomas von Aquin

Die Philosophie hat sich in wichtigen Strömungen – zu denken ist hier vor allem an die hermeneutische und die existentiale Phänomenologie – geradezu auf die Geisteswissenschaften zurückgezogen oder sich nur noch mit „Restproblemen“ der Naturwissenschaft beschäftigt. Im schroffen Widerspruch zum Kantschen Kritizismus, welcher besagt, dass die Philosophie nicht die Naturwirklichkeit, sondern einzig die subjektive Naturerkenntnis zum Objekt haben kann, haben die Scholastiker, aus dem Gesamt ihrer ontologischen Wirklichkeitssicht heraus, an einer Naturphilosophie festgehalten. Schon die Grundbehauptung, dass Natur (einschließlich die Natur des Menschen) ist, und die Frage, was sie ist, konstituieren ipso facto die Grundelemente einer Naturphilosophie. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ein Teil eines naturphi- losophisches Buches die Frage nach der Natur des Menschen behandelt. Papst Johannes Paul II. hat in seinem letzten Buch Erinnerung und Identität wiederum aufmerksam gemacht wohin eine Unterordnung des „esse“, so wie es vor allem durch den hl. Thomas von Aquin herausgearbeitet wurde, unter das „Cogito“ führt. Aus dem „Ich denke, also bin ich“, aus Descartes Absolutsetzung des denkenden Ich gehen die Negativtendenzen der neuzeitlichen Geschichte, welche vor allem in der Krise der Moral und der Gesellschaft sichtbar werden, hervor. Vor diesem Hintergrund ist es umso erfreulicher, dass nun ein Buch erschienen ist, welches nicht nur die Naturphilosophie des Aquinaten darstellt, sondern seine Lehre in historische Perspektive setzt, damit ihre Aktualität auf- leuchtet. Eine solche Methode benötigt, neben dem Vermögen die Weite der thomistischen Lehre übersichtlich herauszuarbeiten sowie der Berücksichtigung vieler Kritiken der Lehre des Aquinaten, auch eine eindringende Kenntnis der aktuellen philosophischen und naturwissenschaftlichen Diskussionen. Besonders im Bereich der thomistischen Naturphilosophie bedeutet dies eine schwierige Aufgabe, denn es ist üblich die Naturphilosophie ganz abzulehnen wegen ihrer Abhängigkeit vom aristotelischen Welt- und Menschbild. Unter Benützung dieser Methode hat der Autor, P. Leo Elders SVD, Professor für Metaphysik und philosophische Anthropologie an der Gustav-Siewerth-Akademie und weltweit anerkannt als einem der bedeutensten Thomisten, ebenfalls eine zweibändige Metaphysik1 und Ethik verfasst.
Die Übersetzung der Naturphilosophie stützt sich auf die Originalausgabe auf Niederländisch (1989), wovon bereits mehrere Übersetzungen (Englisch, Französich, Italienisch, Czechisch) erschienen sind.

Nach einer ausführlichen Einleitung (13–34), worin E. die Existenz der Naturphilosophie, unterschieden von der Naturwissenschaft, rechtfertigt, gliedert sich das Buch in die allgemeine Naturphilosophie, welche das veränderliche Seiende im allgemeinen betrachtet (35–113) und die besondere Naturphilosophie, welche das Seiende von der Lokalbewegung (114–154) her, von der Qualitätsveränderung her (155–170) und schließlich von den Lebensprozessen her (171–423) untersucht.
Es ist in dieser kurzen Besprechung unmöglich, gründlich auf die Fülle der behandelten Themen einzugehen. Stattdessen erwähne ich nur einige behandelte Problemfel- der. Die allgemeine Naturphilosophie beschäftigt sich mit der Vielheit der Substanzen und ihrer Prinzipien und Elemente, wie der Lehre von Akt und Potenz, Veränderung und Bewegung, Zeit, Raum und Ort. Teil 1 der besonderen Naturphilosophie betrachtet die örtliche Bewegung und die Energie sowie die Entstehung, den Umfang und die Dauer der Welt. Am Ende dieses Teils fasst E. seine Ergeb- nisse folgenderweise zusammen: „Das aristotelische Weltbild hat für Thomas nur den Wert einer Arbeitshypothese ... Die Naturphilosophie des Aquinaten ist deshalb unabhänging vom alten Weltbild.“ (152) Dies wird besonders klar herausgestellt bezüglich z. B. der zielgerichteten Ordnung in der Natur und der Rückkehr zum Begriff der substanziellen Form in der heutigen Wissenschaft.
Im 2. Teil der besonderen Naturphilosophie kommen die Qualitätsveränderungen, Entstehen und Vergehen, die Zunahme und Abnahme von Qualitäten und das Prinzip der Individuation zur Sprache. Es sei hier kurz angedeutet, dass die Themen der ersten zwei Teile und ihre Vernachlässigung (z. B. bezüglich der Zielbewegung oder der Substanz-Begriff) in der modernen Philosophie einen nicht zu überschätzenden Einfluss auf die neuere Theologie hatten und haben.
Der umfangreichste Teil behandelt die Philosophie der organischen Natur. Hier wird vielleicht für die meisten Leser die Aktualität der thomistischen Lehre am besten deutlich, denn nahezu alle Themen, die ethischen, biomedizinischen, ökologischen, etc. Debatten bezüglich des
Wesens und Ursprungs des Lebens, der Existenz der Seele, des Todes und Fortleben der Seele, des Entstehens und der Prinzipien einer verantwortlichen Wahl und schließlich die Möglichkeit einer objektive Erkenntnis in all diesen Debatten, kommen hier in ihren philosophischen Grundlagen zur Sprache. Eine besondere Aktualität enthält das Kapitel über die Seele, den Körper und die Einheit des Menschen (270–298) wo E., unter Berücksichtigung der Griechischen Philosophie und der Kirchenväter sowie der Fehlinterpretationen der modernen Philosophie, besonders des sog. Transzendentalthomismus K. Rahners u. a., die thomistische Lehre vom Menschen und seiner Würde, welche „die Lehre der Kirche“ (295) geworden ist, eingehend herausarbeitet. Ein weiteresThema welches zumeist implizit die Debatte in der Gesellschaft und auch in der Kirche beherrscht, ist die Historizität, d. h. die absolute Veränderlichkeit des Menschen und seiner Geschichte.

Eine Untersuchung der Lehre des Aquinaten bezüglich der Wirkungen von Verstand und Wille (327–378) zeigt aber, dass er die philosophischen Argumente liefern kann, um uns vor solch einer subjektivistischen Reduktion zu bewahren. Didaktisch sehr gelungen ist schließlich die Gegenüberstellung der thomistischen Anthropologie mit der existentialistischen und marxistischen Anthropologie im letzten Kapitel.
Dieser Teil des Buches ist auch sehr gut geeignet als eine Einleitung in den ganzen anthropologischen Abschnitt des Buches, da sich nach seiner Lektüre der Leser sich die einzelnen Argumentationen leichter zu eigen machen kann.
Unsere Zeit ist gekenzeichnet durch ein Misstrauen der Tradition gegenüber. Es kann uns aber doch, bei der Wichtigkeit der (christlichen) philosophischen Aufgabe, nicht gleichgültig sein, was Generationen vor uns über die gleichen Probleme, die auch uns heute beschäftigen, gedacht haben. Wo eine Permanenz der grundlegenden Problematik vorliegt, lässt sich auch eine gewisse Konstanz in den Antworten finden. Und so ist solches Misstrauen denn auch eher ein Zeichen der Schwäche und einer kurzsichtigen Haltung. Derjenige, der den hl. Thomas von Aquin, begleitet durch die Arbeiten eines renommierten Thomisten wie Leo Elders, studiert, begegnet einer harmonischen
Synthese der Einheit der Wirklichkeit, welche ein solches Misstrauen vernichten kann bzw. die Argumente für eine notwendige Verteidigung der philosophisch-theologischen Tradition liefert. Und zwar ohne dass dieses bedeuten würde, eine Philosophie des 13. Jahrhunderts, prout iacet, ne varietur, einfachhin heute zu reproduzieren. Der belgische Thomist und Naturphilosoph Norbert Luyten O. P., welcher mehrere Jahren in Fribourgh (Schweiz) dozierte, definierte einmal den Thomismus als „ein geschlossenes System mit einer überaus offenen Haltung“.
Es ist erfreulich dass der Verlag der Gustav-Siewerth- Akademie diese Übersetzung und Edition großzügig unterstützt hat, damit sich auch im Bereich der Naturphilosophie die thomistische Lehre weiter in Deutschland verbreiten möge.

aus d. Niederl. v. Caspers, Matthias
Weilheim-Bierbronnen 2004.
Kartoniert, 434 S., 21 x 14,8 cm


Preis: 19,50 EUR
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