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Antoine Busnois (1430-1492) Missa "L'Homme arme" - CD

Antoine Busnois
Hyperion
Art.Nr.: 26-01-09
Antoine Busnois (1430-1492) Missa

Busnois’ Missa L’homme armé gehörte zu den meist geschätzten Werke des späten 15. Jahrhunderts. Dufay, Basiron und Faugues zitieren anscheinend alle daraus in ihren eigenen, auf der gleichen Melodie basierenden Messen, und zwei Komponisten—Obrecht in seiner Missa L’homme armé und der anonyme Komponist einer Missa de Sancto Johanne Baptista—übernehmen gleich die gesamte rhythmische Organisation von Busnois’ Missa L’homme armé als strukturelle Basis für ihre genannten Werke. Die Bedeutung von Busnois’ Messe wird auch dadurch unterstrichen, dass sie in nicht weniger als sieben Manuskriptquellen bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist, eine hohe Anzahl verglichen mit anderen Komposition aus jener Zeit (wahrscheinlich aus den 1460iger Jahren). Mal von der Frage abgesehen, ob die Messe nun, wie manche behauptet haben, die erste Messe war, die sich der berühmten Melodie annahm, gibt es keinen Zweifel, dass Busnois’ Messe die einflussreichste und maßgeblichste in der Reihe dieser Werke war—eine Feststellung, die durch die Behauptung von zwei Musikwissenschaftlern jüngeren Datums bestätigt wird, Busnois habe möglicherweise die als Grundlage dienende Melodie selbst komponiert.

Die besondere Beliebtheit der L’homme armé-Messe scheint sehr genau im Einklang mit dem Ruf des Komponisten unter seinen Zeitgenossen im Allgemeinen zu stehen. Johannes Tinctoris, der wichtigste Musiktheoretiker jener Zeit, widmete Busnois zusammen mit Ockeghem eine seiner Abhandlungen, und auch an anderer Stelle lobte Tinctoris Busnois als einen der feinsten Komponisten, deren Musik er gehört habe. Busnois’ literarische Fähigkeiten wurden sowohl durch Tinctoris’ Bewunderung für dessen Lateinkenntnisse bestätigt, als auch durch den großen Dichter Jean Molinet, der Busnois ein Gedicht widmete, eine Kompliment, das der Komponist erwiderte. Zudem ist die Messe auf dieser CD bei weitem nicht das einzige Werk von Busnois, das andere zum Nacheifern angeregt hat: es gibt auch eine Fülle von Liedern und Messen jener Periode, die Busnois’ Melodien als Grundlage nutzen.

Durch seine Musik erkennt man die lebhafte Persönlichkeit des Komponisten, was für seine Zeit bis zu einem gewissen Grad ungewöhnlich ist. Es wird deutlich, dass Busnois’ Absicht in der Selbstdarstellung lag. Zwei seiner Motetten beziehen sich direkt auf ihn, und eine davon, eine Motette über seinen Schutzheiligen, den heiligen Antonius „den Großen“, verschlüsselt seinen Namen in einem Akrostichon. Weniger schmeichelnd, aber vielleicht ebenso bezeichnend für eine starke Persönlichkeit, ist die mittlerweile berühmte Geschichte aus seinen frühen Jahren, als er einen Priester zusammenschlug und andere ihn in eine Schlägerei verwickelten—und das nicht nur einmal, sondern bei fünf unabhängigen Gelegenheiten—bis zum Punkt, wo es ernsthafte Verletzungen gab. Aber es ist seine Musik, durch die seine Stimme am lautesten vernehmbar wird, wie die Hörer der Messe auf dieser CD schnell bemerken werden.

Nicht alle musikalischen Geschmäcker dauern ein halbes Jahrtausend an, aber niemand, der die Missa L’homme armé kennt, wird irgendwelche Schwierigkeiten haben nachzuvollziehen, warum dem Werk in den Augen von Busnois’ Zeitgenossen solch eine Bedeutung zugemessen wurde. Zu erst einmal ist die Messe zweifelsohne eines der faszinierendsten und aufregendsten Stücke des 15. Jahrhunderts. Busnois war legendär für seinen virtuosen Stil in der geistlichen Musik, aber nirgends hat er so Feuerwerk wie hier entfacht. Es wäre interessant zu hören, wie die Interpreten des Werkes zu seiner Zeit—der Komponist gehörte höchstwahrscheinlich zu ihnen—solche Gesten wie den berühmten Dezimenschritt im Bass hinauf zum hohen F im zweiten Teil des Gloria gemeistert haben, oder den noch schwierigeren Aufstieg (wenigstens für Stimmen heutzutage) zum hohen G im vorangegangenen Abschnitt. Diese Musik ist nicht nur Ausdruck von Selbstsicherheit: sie fordert auch in hohem Maße Selbstsicherheit von ihren Interpreten.

Aber hier gibt es viel mehr als nur Gymnastik. Busnois hat (wenigstens für unser heutiges Empfinden) ein unwahrscheinliches Gefühl für die Dauer von Gesten, wobei alles genau zum rechten Zeitpunkt erscheint und ebenmäßig geformte Komponenten sich zu einer meisterhaften Werkgestalt zusammenfügen. Deshalb sind Momente der Entspannung genauso interessant wie Momente der Spannung, und das hervorragende Gefühl für die zeitliche Abfolge und die Manipulation des Rhythmus’, der Tonhöhe und des Kontrapunkts scheinen den Hörer unweigerlich weiter zu locken. Alles scheint ausgerichtet zu sein, damit das Ohr der meist subtile Klangwelt Busnois’ reich an Schattierungen folgt und man aufmerksam den sich grazil aufwölbenden melodischen Linien mit ihren milden Höhepunkten wie im „Christe eleison“-Abschnitt des Kyrie mit reduzierter Stimmenzahl zuhört, der gerade dadurch einen Eindruck von ehrlichem Gefühl und Aufrichtigkeit der Aussage erweckt.

Die gleiche, fast betörende Brillanz in der sich auf Maria beziehenden Motette Gaude celestis domina ist so beeindruckend, dass die Hörer, die mit Busnois anderen Werken vertraut sind, sofort vermutet hätten, auch wenn Rob Wegman den Komponisten dieser Motette nicht durch ein Tinctoris-Zitat identifiziert hätte, dass Busnois hier ebenso seine Hand im Spiel hatte. Der treibende und oft stark synkopierte Rhythmus, die energiegeladenen Passagen voller Dezimen und die aufregenden metrischen und rhythmischen Wechsel mahnen sofort an den ähnlichen Stil von In hydraulis und Incomprehensibilia firme (letztgenanntes Werk wurde vom Binchois Consort auf der CD A Marriage of England and Burgundy, CDA67129 eingespielt).

Verglichen mit der Messe und Gaude celestis domina erweist sich die Marien-Motette Anima mea liquefacta est als eine stilistische Überraschung. Obwohl sie ähnlich lange, geschmeidig melodische Linien aufweist und mit einer treibenden, synkopierten Passage schließt, die stilistisch mit Teilen aus Busnois’ anderen Werken auf dieser CD in Verbindung steht, zeigt dieses Stück seinen Komponisten in einem eher anderen, viel stärker in sich gekehrtem Licht. Seine dunkleren Klangfarben, die Kombination von tiefen Stimmen, die übereinander geschichteten Stimmsätze unterschiedlichen Charakters (der Tenor singt den Text des strukturtragenden Lieds, das Responsorium für das Fest Mariae Geburt Stirps Jesse) und ein Text aus dem Lied der Lieder stellen das Werk, wie Paula Higgins demonstriert hat, in Bezug zum gängigen Repertoire des frühen 15. Jahrhunderts. Eine Reihe von Musikwissenschaftlern hat auch die Vermutung angestellt, dass das Werk vielleicht zu den frühen Werken im Schaffen Busnois’ gehört. Der düstere Ton des Werkes gibt Anima mea eine klagende und getragene Stimmung und veranlasste Higgins zu der Hypothese, dass das Stück vielleicht mit dem Tod eines königlichen Herrschers in Verbindung steht. Was immer auch den Anlass zur Komposition gegeben haben mag, es ist ein tief empfundenes und bewegendes Werk, und trotz seiner außergewöhnlichen Stellung im Kontext von Busnois’ anderen Werken ist auch diese Komposition ein Zeugnis eines ausdrucksstarken Temperaments.

Solch eine individuelle Stimme wie die von Busnois entwickelte sich allerdings nicht total unvorbereitet: eines der offensichtlicheren Einflüsse kam, wie es in einem Artikel von Rob Wegman zum ersten Mal beschrieben wurde, von der anderen Messe auf dieser CD, der Missa Spiritus almus, von Petrus de Domarto. Obwohl Domarto heutzutage kaum ein gängiger Name ist, war er in der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Figur von beachtlichem Ansehen, wie es ihm von—wiederum—Tinctoris bescheinigt wurde. Domartos Kompositionsweise mit Metren und besonders mit der Platzierung des Cantus firmus hatte möglicherweise einen Trend hervorgerufen, den wir auch in einer oder möglicherweise zwei anderen Messen von seinem anscheinend jüngeren Zeitgenossen nachvollziehen können: in der Missa O crux lignum und der Missa L’ardant desir (angeblich auch von Busnois, falls man Wegmans Beweisführung folgen möchte) Alle drei dieser Messen weisen die gleiche Methode auf, bei der jeder Abschnitt auf einer gleich notierten Melodie aufgebaut ist, die aber unter dem Diktat der verschiedenen Mensuralzeichen (dem Gegenstück zu den modernen Taktzeichen) verschiedene rhythmische Formen bei der Aufführung annimmt. Im Falle der Domarto-Messe ist die Melodie die melismatische Phrase auf die Worte „Spiritus almus“ („nährender Geist“)—die das Marien-Responsorium Stirps Jesse beschließt (siehe den später in dieser Broschüre abgedruckten Text) und auch die Grundlage für Anima mea liquefacta est bildet. Die im Text erzeugte Assoziation bezieht sich auf den Stamm Jesse: den „Familienstammbaum“, der aus Abbildungen auf farbigen Glasfenstern bekannt ist, wobei Jesse, der Vater Davids, mit der Jungfrau und Christus in Beziehung gebracht wird.

Aber jenseits der genannten Kompositionsmethode endet die Ähnlichkeit zwischen den zwei Komponisten. Obwohl nur etwas mehr als ein Jahrzehnt zwischen der wahrscheinlich um 1450 oder etwas früher komponierten Domarto-Messe und der Messe von Busnois liegt, ist der Höreindruck radikal unterschiedlich. Die kontrapunktische Vernetzung des letztgenannten Werkes, die aus schwungvollen melodischen Linien, sich ständig ändernden rhythmischen Mustern und delikatem motivischem Austausch fest verwoben ist, steht hier im starken Kontrast zu einem geschichteten Stimmsatz, bei dem häufig die sich langsam fortbewegenden tiefen Stimmen gegen die geschäftigeren hohen Stimmen gegenübergestellt werden. Auch findet man hier im Allgemeinen eine tiefere Stimmlage, kurzatmige rhythmische und melodische Ideen und ein motivisches Zusammenspiel, dass hauptsächlich auf den Austausch von kurzen Motiven zwischen den zwei oberen Stimmen beschränkt bleibt. Für Ohren heutzutage, die an stärkere „Reize“ gewöhnt sind, ist dieses Werk eine "hart zu knackende Nuss". Aber wenn der Hörer es ein paar Mal gehört hat, wird es ihm bewusst werden (wie auch dem Sänger, der das Werk zur Aufführung vorbereitet), dass die Ausdrucksform hier genauso interessant ist. Änderungen des Satzbildes—vom vollen und behäbigen bis zum reduzierten und aktiveren Stimmsatz—zeichnen die übergreifende Kontour, während der spielerische Austausch zwischen den hohen Stimmen und die kunstvollen Einwürfe der Bassstimme die strukturtragende Melodie mit einem Gewebe von großem, wenn auch im Vergleich mit Busnois und Obrecht eher beschränkt örtlichem Interesse und Kunstfertigkeit umranken. Auch wenn die Struktur des Werkes das Komponieren der Messen von Busnois und Obrecht beeinflußt haben mag, hinsichtlich der allgemeinen Ausdrucksform sei die Messe von Domarto nach Meinung von Reinhard Strohm den englischen Werkreihen wie der anonymen Missa Caput ähnlicher. Wegman zeigte zudem, wie sie besonders zu den frühen, auf der gleichen Melodie aufgebauten Messen von Ockeghem in Beziehung steht.

Wie Domarto verbrachte Jean Pullois einen Teil seiner Laufbahn im Liebfrauendom in Antwerpen, wo Ockeghem zu seinen Kollegen zählte, mit dem ihm anscheinend eine enge Freundschaft verband. Auch wenn die rhythmische Art freier ist als in der Missa Spiritus almus, bezeugen die dunklen Klangfarben und die kurzatmigen Melodien, dass Flos de spina eine ähnliche Herkunft teilt. Vom Umlauf des Manuskripts zu urteilen, wurde diese Motette zu jener Zeit hoch geschätzt, und die Hörer werden bald bemerken, warum. Man kann sich kaum ein umwerfend schöneres Werk aus der Mitte des 15. Jahrhunderts vorstellen, noch gäbe es einen passenderen Höhepunkt für dieses CD-Programm. Man könnte glauben, der Komponist hätte jeden letzten Tropfen von kreativer Beredsamkeit aus dieser Verehrung der Jungfrau Maria—die mächtige Fürsprecherin und größte Hoffnung—für das ewige Heil der Sterblichen im 15. Jahrhundert gepresst.



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